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             "Danses Macabres"
                        (1999, 300x120x2500 mm)  

Pegasus & Daedalos  
1998 (Mouse-over Detail)
   

MitFliegen auf Smarties
(1998, 1000 x 200 mm)

Louis Constantin experimentiert mit unseren Gefühlen. Bedroht, angeekelt, amüsiert, schockiert, auch nachdenklich stehen wir vor seinen Objekten, seinen neuzeitlichen "Wunderkammern", die, in Anlehnung an die Tradition barocker Sammlungen, Kostbarkeiten neu inszenieren. Bei ihm jedoch sind aus den Wunderkammern Laborwannen geworden, aus den Preziosen Knochen und Flügel in Verbindung mit Wachs, Kunststoff und Metall. Sie stehen im Mittelpunkt seiner Arbeiten der letzten 15 Jahre. Als "letzte Nacktheit", wie es es nennt, bilden die Skelette dabei die letzte allgemeingültige Form der Aktfigur. "Wie lebendig kann Liebe zu den Dingen im Sarkophag des Museums sein ? . . . Das Ding als solches, gleich welcher Materialgattung es zugehört, wird zum Sprechen erweckt, damit es seine Eigenschaften offenbart." (Leibniz, 1675) Skelette haben das Besondere, dass sie den Blick auf den Innenraum des Körpers freigeben, wiewohl sich dieses Innere bereits verflüchtigt hat. Dieses Paradox greift Constantin in der Wahl seiner Materialien auf, um zu dem Warum unserer Gefühlswelten vorzustoßen ("Labor der Gefühle" heißt bezeichnenderweise sein Atelier). Die Neugier nach dem Funktionieren unserer inneren Welten erscheint in der Tat zeitgemäßer denn je - man denke nur an die Faszination der Ausstellung "Körperwelten - Einblicke in den menschlichen Körper" (1998) des Heidelberger Instituts für Plastination. Wenn dieser Ausstellung jedoch neben anderem der Vorwurf gemacht wurde, auf unzulässige Weise die Grenzen von der Naturwissenschaft zur Kunst überschritten zu haben, so ist das der Punkt, an dem Constantin ansetzt. Er benutzt das Organische und führt es in neue Zusammenhänge, er seziert und verwandelt :

"Katakombe", 1998 (110x260x1800 mm)

"84 linke Finger", 1999 (1600x260x1800 mm)


Entleerten Schädeln in einer Hohlbausteinpyramide mit Glasaugen und ausgestreckter Einstein-Zunge wird auch nach dem Tode ein Rest an Individualität geschenkt: man findet ihren rekonstruierten Inhalt in einem ungewöhnlichen Ahnenbild an der Wand (Katakombe, 1999). Narrative Strukturen einer makabren Comédie Humaine entwickeln sich im Zyklus "Sieben Fliegenfänger" von 1998: Mumifizierte Fliegen erleben eine kurze Atempause, wenn sie auf Smarties, kleinen Inseln des Glücks, rasten dürfen, ehe sie auf das Klebeband zusteuern. Constantins Objekte beinhalten sicher auch ein Augenzwinkern. Trotzdem ist seine barocke Besessenheit vom Morbiden, von Nacktheit und Skelettierung als Vorstufe zum Assoziationsbereich Tod ein Angriff auf die Erlebnisfähigkeit des Zuschauers. Surrogate sind die Sache Constantins nicht: Der virtuellen Welt unserer Tage wird hier fürwahr Plastisches entgegengestellt.   

                                                     
                                                                                                Oktober 1999,   Maria v. Hartmann-Schultz


©  Louis Constantin 1999    Web: Rolf-Dieter Preller : http://alpha-english.de  mailrolf@aol.de Stand: 12. November 2007